Künstliche Intelligenz

Fluch oder Segen?

Juchu, KI löst all unsere Pobleme!

Oder?

Falsch!

Um es gleich vorwegzusagen, ich bin kein Feind von moderner Technologie. Ich schreibe meine Bücher auch nicht mit Tintenfass und Feder. Aber gerade als kreativer Mensch sollte man sich schon einmal auch kritisch mit dem Phänomen KI auseinandersetzten, und zwar auf verschiedenen Ebenen.

Beginnen wir mit dem, was wir am liebsten tun: Schreiben!

Es ist heute kein Problem mehr, sich ein ganzes Buch von künstlicher Intelligenz erstellen zu lassen. Mehr noch, ich kann im Prompt, also dem Befehl an die KI, angeben, in welchem Stil das Werk geschrieben sein soll. Man könnte zum Beispiel eingeben: schreibe mir einen historischen Roman im Stil von Reiner Günter. Ein verständlicher Wunsch 😊. Und in der Tat würde nach kurzer Zeit ein Roman auf dem Bildschirm erscheinen, der so oder so ähnlich geschrieben ist, wie meine Bücher.

Aber wollt ihr das?

Ich meine nicht, einen Roman wie meine schreiben zu lassen, sondern ernsthaft ein Werk veröffentlichen, das von vorne bis hinten abgekupfert ist? Wo bliebe der Spaß am Schreiben? Wo die Lust, Figuren zum Leben zu erwecken und ihnen Charaktere einzuhauchen? Gute oder böse? Sich in Recherchearbeit zu verlieren und dabei selbst eine Menge zu lernen.

Und möchtet ihr, dass eure Werke in die KI einfließen und anderen „Autoren“ als Grundlage zu ihren Büchern dienen? Stichwort Urheberrecht. Sicherlich nicht!

Darüber hinaus bin ich sicher, dass die Leser sehr schnell merken, dass ihre Lektüre nicht von Menschenhand geschrieben ist. Und sie werden es ablehnen.

Schreibblockaden

 

Ja, hier kann man sich gerne mal “Auf die Sprünge helfen lassen“, warum nicht?

Aber man sollte darauf achten, dass die Vorschläge auch zum eigenen Schreibstil passen, und sie nicht via „copy & paste“ in seinen Text einpflegen, sonst wird aus „paste“ ganz schnell „waste“.

 

Dienstleister

Das Gleiche gilt für Coverdesigner, Hörbuchsprecher und andere Dienstleister in unserer Branche. Natürlich ist es billiger, sich ein Cover von KI machen zu lassen. Aber es wird dann auch billig aussehen und es fehlt der menschliche Touch.

Für mein Cover zu „Zeit der Zuversicht“ hatte ich mir zum Beispiel eine Szene vorgestellt, in der am 9. November Trabbis durch das soeben geöffnete Brandenburger Tor fahren. Mein Designer von cover-and art wusste jedoch, dass es dann Probleme mir dem Markenschutz geben könnte.  Also haben wir uns etwas anderes einfallen lassen. Ich glaube nicht, dass eine KI das berücksichtigt hätte.

 

 

 

Autor Reiner Günter: Zeit der Zuversicht
Bei dem Cover für "Zeit der Zuversicht" hätte ich möglicherweise Probleme bekommen, wenn ich es mit KI gegeriert hätte.

Recherche

Aber hier doch wenigstens, oder? Jein!

Ich habe mir einmal den Spaß gemacht und KI, gefragt, wo meine Bücher spielen. Und die Antworten haben mich, gelinde gesagt, überrascht: Da wurde behauptet, dass der Schauplatz meiner Bücher Bielefeld ist. What?

In meiner Vita steht zu lesen, dass Bielefeld meine Geburtsstadt ist. In keinem meiner Romane findet diese Stadt jedoch Erwähnung…

Eine andere Antwort war Tschechien. Noch abstruser!

Wie kommt sie denn da drauf?

Einer meiner Protagonisten heißt Michail Sokolow, unschwer als Russe zu identifizieren. Nun hat KI offenbar, schlau wie sie ja nun mal ist, einen Tippfehler geortet, und -ohne mich zu fragen- aus dem „w“ am Ende des Namens ein „v“ gemacht.

Und schon wird ein Schuh draus. Denn in Tschechien gibt es einen Ort namens „Sokolov“, nicht weit davon entfernt ein Schloss Falkenau.

Na, dann ist doch alles klar! Die Bücher von Reiner Günter spielen auf dem Schloss Falkenau. Wahrscheinlich geht es um Ritter, Burgfräulein und Keuschheitsgürtel… Ne, nicht wirklich.

Was ich damit sagen will: so intelligent ist KI dann auch wieder nicht. Sie ist ein „people-pleaser“, die euch lieber eine falsche, als keine Antwort gibt. Ihr solltet also die Ergebnisse, die euch KI liefert lieber noch mal gegenchecken. Zum Beispiel bei Wikipedia, Planet Wissen, GEO oder auf anderen Plattformen, die zu eurem Genre passen und euch vertrauenswürdig erschienen.

Natürlich geht Dramaturgie vor Detailtreue, aber es wäre schon peinlich wenn in euren Texten ein Lapsus auftaucht, der von den geneigten Lesern schnell als solcher erkannt wird.

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Werbung

Man kann sich Werbetexte und auch Bilder von KI generieren lassen. Aber diejenigen, die es sehen sollen, werden täglich von solchen Inhalten überflutet. Kennt ihr doch auch, oder?

Und, wie lange bleibt ihr auf solch einer Anzeige, auf so einem Reel? Genau so machen es eure potenziellen Leser auch. Weil sie etwas von Menschen erfahren wollen und nicht von Maschinen.

Und ihr seid doch kreativ, also gebt euch ein wenig Mühe und erstellt die Texte selbst. Das man mal ein KI generiertes Bild einbaut ist schon okay, mache ich auch. Aber weniger ist hier mehr!

 

Ein Buch schreiben: Autor Reiner Günter

Umwelt

Zum Thema Umwelt: Die Rechenzentren, die es schon gibt und noch entstehen werden, sind unglaubliche Energiefresser. Ein mittelgroßes Rechenzentrum verbraucht soviel Energie wie 100.000 Haushalte. (Quelle: WDR5)

Natürlich ist mit klar, dass wir das Rad nicht mehr zurückdrehen können. Aber wenn sich jeder von uns auf das Nötigste und Sinnvollste bei der Nutzung von KI beschränkt, können wir zumindest einen winzigen Beitrag dazu leisten, unsere Umwelt nicht mehr als nötig zu belasten.

 

Clickworker

 

Last but not least die sogenannten Clickworker.

Das sind Menschen (Ja, lebende Menschen), die vor allem südlich des Äquators leben, und dafür ausgebildet und eingesetzt werden, um die unfassbaren Datenmengen, die in die KI einfließen, von rassistischen, pornografischen oder sonstigen unerwünschten oder verbotenen Inhalten zu befreien. Eine maximal stumpfsinnige, dafür aber miserabel bezahlte Arbeit. Auch daran sollte man einmal denken!

Also auf KI verzichten?

Nein, aber eine bewusste Nutzung sollte schon sein! Ihr sollt euch den Spaß an eurem Schaffen nicht verderben lassen, und wenn ihr KI sinnvoll einsetzt, kann sie sehr hilfreich sein.

Ich hoffe, ich habe euch ein paar hilfreiche Anregungen zu diesem komplexen Thema gegeben. Es ist meine Meinung, und ich weiß, dass es auch andere gibt. 

Schreibt mir eure Meinung gerne in die Kommentare. 

So long, Reiner

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