Das neue Jahr hat begonnen, doch der Winter lässt in weiten Teilen des Landes noch immer auf sich warten... Um die Gemütlichkeit der Weihnachtszeit vielleicht noch ein wenig nachhallen zu lassen, bleibt die Leseprobe der Weihnachtsgeschichte noch ein Weilchen online.

Viel Spaß damit:

 

Oh du Fröhliche

 

Chris mochte den Winter nicht besonders. Zumindest nicht hier im Ruhrgebiet. Nichts gegen eine Schneelandschaft in den Bergen mit blauem Himmel und Sonnenschein, aber in Dortmund kam meist nur nasser Matsch herunter und es war unangenehm kalt. Und dunkel. Sowie jetzt, als er auf dem Heimweg war. Dicke Tropfen nassen Schneeregens klatschten auf die Windschutzscheibe, dick vermummte Gestalten schlichen über die rutschigen Bürgersteige. An einem dieser Gehwege parkte er sein Auto ein und stieg aus. Er sah die Fassade seines Hauses hinauf, um festzustellen, ob schon Licht in der Wohnung war. Es war. Ein sehr komisches Licht. Scheinbar feierte der Stern von Bethlehem sein Comeback und zwar ausgerechnet in seinem Wohnzimmer. Da würden sie wohl heute Abend noch Besuch bekommen, denn wo der Stern war, waren die heiligen drei Könige nicht weit. Hoffentlich hatte er noch genug Bier im Kühlschrank.

Oben in der Wohnung angekommen, stellte er fest, dass der Herrnhuter Weihnachtsstern, der seit heute sein Fenster in dekorativem Licht erstrahlen ließ, nur der kleine Teil einer groß angelegten Dekorationsoffensive war. Überall in der Wohnung entdeckte er Rentiere aus Stroh, stilisierte Schneeflocken, Schwibbögen, Tannengrün und Kerzenschein. Und auf dem Esstisch stand, Krönung der Geschmacklosigkeit: eine Weihnachtspyramide deren kleine Kerzchen die Luft so erhitzten, dass ein raffiniertes Propellersystem pausbäckige Engel, Schlittengespanne und fleißige Zwerge dazu brachte, sich lustig im Kreis zu drehen. Mittendrin der Weihnachtsmann himself. Er kam sich vor wie ein einem Käthe Wohlfahrt-Laden. Aus den Lautsprechern der Stereoanlage sang Bing Crosby höhnisch sein „White Christmas“

Es roch auch anders. Aus Richtung Küche strömte ihm der Duft frisch gebackener Plätzchen entgegen, der Geruch nach frisch gebratenen Koteletts wäre ihm jetzt lieber gewesen. Er hängte seinen Mantel an die Garderobe und ging in die Küche. Hier sah es aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Mehl,- und Zuckertüten, Butterpäckchen, Backpapier und Ofenbleche standen in völliger Unordnung herum. Und wenn es draußen schon nicht schneite, hier hatte ein feiner Staub aus Mehl und Backpulver die Küche in eine Winterlandschaft verwandelt. Wo, bitte, geht´s zum Lift? Svenja stand, eine rote Schürze umgebunden, mit einem dicken Backbuch in der Hand, an den Küchentisch gelehnt.

„Hallo Schatz!“, begrüßte sie ihn und strahlte ihn mit einem verschmitzten Lächeln an. Er kannte dieses Lächeln. Vorbote schlechter Nachrichten.

„Was ist denn hier los?“, fragte er und wollte ihr einen Kuss geben.

„Vorsicht, ich bin ganz klebrig.“ Mit gespitzten Lippen gab sie ihm einen Begrüßungskuss.

„Ist das nicht gemütlich bei uns, ich liebe die Adventszeit.“

Das hätte sie ihm ja auch mal früher sagen können. Es war das erste Jahr, in dem sie gemeinsam die Weihnachtszeit begingen. Mach es dir schon mal im Wohnzimmer gemütlich Ich backe noch eben das Blech Makronen fertig, dann komme ich zu dir. Kannst ja schon mal eine Flasche Rotwein aufmachen, der Kamin brennt schon. Hatte er da Makronen gehört? Er würde nicht von sich behaupten, ein ausgesprochener Weihnachtsfan zu sein, um es sehr vorsichtig zu formulieren, aber Kokosmakronen, er hatte sie schon seit seiner Kindheit nicht mehr gegessen, Kokosmakronen waren der Klöpper. Soweit er sich erinnerte! Allein die Erinnerung daran ließ seinen Magen knurren. Oder war dieses Knurren der Tatsache geschuldet, dass er seit dem Frühstück kaum etwas gegessen hatte?

„Was gibt es denn zum Abendessen?“, rief er aus dem Wohnzimmer.

„Du, ich bin vor lauter Plätzchen backen gar nicht zum Kochen gekommen. Wenn du so großen Hunger hast, mach dir doch eine Dose Ravioli warm.“ War sie nicht schön, die Weihnachtszeit? Zumindest passte der Rotwein dazu, den Svenja schon auf den Tisch gestellt hatte, ein Barbera d´Asti aus dem schönen Piemont. Man konnte sich also auf einen vorweihnachtlichen, italienischen Abend freuen.

„Ach weißt du was, wo ich hier sowieso gerade in der Küche stehe, mach ich dir schnell die Nudeln warm, mach du es dir bequem.“ Erst dieses Lächeln, dann diese Zuvorkommenheit. Chris ahnte, dass da noch etwas nachkam. Was soll´s, dachte er und wollte es sich gerade in seiner Lieblingsecke auf Drøm

gemütlich machen, jener Sitz-Liegegarnitur, die er vor geraumer Zeit auf einer von Svenja initiierten Einkaufstortur erworben hatte. Doch sein Platz war leider schon besetzt. Ein riesiger Stoffelch saß da schon und schien ihn hämisch anzugrinsen. Irgendwie kam er ihm bekannt vor, er wusste nur nicht genau, woher. Er nahm den Elch, stopfte ihn auf Svenjas Seite, setzte sich auf seinen angestammten Platz und griff nach dem Buch, das er zurzeit las und was neben ihm lag. Liegen sollte. Es war weg. Offensichtlich passte primitive Belletristik nicht in diese Weihnachtswunderwelt. Er wollte sich gerade lautstark nach dem Verbleib des Romans erkundigen, als Svenja mit einem dampfenden Teller Ravioli das Esszimmer betrat. Die Schürze hatte sie abgelegt. Sie sah zum Anbeißen aus in ihrer engen Jeans und dem figurbetonendem T-Shirt.

„Essen ist fertig.“, säuselte sie. Irgendetwas stimmte hier nicht, das roch er trotz des aus der Küche wabernden Duftes des Weihnachtsgebäcks. „Zum Nachtisch gibt es ein paar frische Makronen, sind noch ganz warm.“

„Isst du nichts?“

„Ich habe schon so viel genascht, ich bin pappsatt. Aber lass es dir schmecken.“ Als Liebhaber der italienischen Küche standen Dosenravioli nicht unbedingt ganz oben auf seiner persönlichen Wunschliste. Aber gut, wenn sie wirklich den ganzen Nachmittag gebacken hatte… Er entkorkte den Wein, schenkte zwei Gläser ein und wünschte sich einen guten Appetit. Gerade hatte er zwei Löffel gegessen und einen kleinen Schluck getrunken, als Svenja ihren Arm ausstreckte und liebevoll seine freie Hand nahm.

„Sag mal, wie hast du eigentlich die letzten Jahre Weihnachten gefeiert?“ Er ahnte, dass jetzt Übles auf ihn zukam. Zum Glück sind Ravioli recht glitschige Teigtäschchen, sonst wären sie im vermutlich im Halse stecken geblieben.

„Ich hab mir einfach ein paar ruhige Tage gemacht, gefeiert habe ich gar nicht.“ Da er Einzelkind war, beide Eltern früh verstorben waren, und er auch sonst keinen Kontakt zu weiter entfernten Verwandten pflegte, ließ er die Festtage immer ruhig angehen. Ihm dünkte, dass sich das jetzt ändern würde.

„Wieso?“

„Sieh mal, es ist doch unser erstes Weihnachten in der gemeinsamen Wohnung und da habe ich gedacht, es wäre doch nett, wenn wir meine Eltern, Jens und Hilde bei uns hätten.“ Jetzt war die Katze aus dem Sack. Stille Nacht, adieu!

Er mochte Svenjas Familie, ganz bestimmt, aber musste sie sich unbedingt über die Weihnachtstage hier einquartieren? Er dachte nach. Eine Fußspitze traf sein Schienenbein, ganz sacht. „Hm?“ Er sah sie an und da war er wieder, dieser Blick, dem er einfach nicht wiederstehen konnte.

„Hast du mal darüber nachgedacht, was da alles an Vorbereitungen getroffen werden muss?“ Das war ein schwacher Einwand und er wusste es.

„Den Weihnachtseinkauf mache ich ganz allein, versprochen. Du müsstest dich nur um die Getränke kümmern. Und um den Baum Das muss der Mann machen.“ Er trank einen Schluck Wein.

„Also gut, von mir aus kannst du deine Eltern anrufen und einladen.

„Hab ich schon.“, hauchte sie. Diese kleine Schlange.

 

Und wie geht`s weiter mit den beiden? Hier ein Textschnipsel aus dem zweiten Band:

 

Valentins Überraschung

 

Rom, 14 Februar 269. Ein schrecklicher Tag. Grau, kalt und trüb. Und dann dieser fürchterliche Nieselregen. Sehr ungemütlich!

Besonders ungemütlich war dieser Tag für einen gewissen Valentin. Er wurde nämlich gerade enthauptet. Und das nur, weil er es nicht hatte lassen können, trotz des Verbotes des Kaisers Claudius, Liebende nach christlichen Gepflogenheiten zu vermählen, was den Monarchen derart verstimmte, dass er beschloss, den aufmüpfigen Priester einen Kopf kürzer zu machen, was man nicht unbedingt als Akt christlicher Nächstenliebe bezeichnen konnte. Darüber hinaus, soll dieser Valentin den frisch getrauten Paaren auch noch Blumen aus seinem Garten geschenkt haben, nicht ahnend, dass er mit dieser symbolischen Geste knapp zweitausend Jahre später Heerscharen von Blumenhändlern beglücken würde.

Ironischerweise brachte ihm diese Hinrichtung bis in unsere Zeit hinein Ruhm und den Status des Patrons der Liebenden. Ob ihn das an jenem Tag im Jahre 269 getröstet hat, lassen wir mal dahingestellt…

Wie dem auch sei, wird der 14. Februar jeden Jahres in unserer westlichen Welt als Valentinstag gefeiert. Eine Tatsache, die bei den meisten Männern regelmäßig für gewisse Probleme sorgt; Blumenhändlern, Juwelieren und anderen Glücksbringern jedoch einen hübschen zusätzlichen Umsatz beschert. Und das Jahr für Jahr.

Chris und Svenja, zwei hippe, moderne junge Leute hielten nicht viel von derlei Konsumterror, was vor allem Chris sehr recht war. Er konnte sich noch gut an das vergangene Weihnachtsfest erinnern, als er sich quasi in letzter Minute völlig unvorbereitet und entgegen der eigentlichen Absprache dazu gennötigt sah, für seine Svenja noch ein Geschenk zu besorgen, kurz vor Ladenschluss. So etwas würde nicht noch einmal passieren.

In diesem Jahr fiel der 14.Februar auf einen Samstag. Auch heute war es trüb und ungemütlich, wie damals in Rom. Chris stand um acht Uhr morgens im Bäckerladen, das heißt, genau genommen stand er noch vor dem Bäckerladen in einer ansehnlichen Warteschlange, denn scheinbar waren etliche Geschlechtsgenossen auf die Idee gekommen, an diesem besonderen Tage ihre Liebsten mit frischen Brötchen zu beglücken. Er mochte Warteschlangen nicht, aber bei diesem Bäcker hier gab es nun mal die besten Brötchen weit und breit, und vor allem diese herrlichen Croissants. Also warten. Und frieren. Denn es war nicht nur trüb und ungemütlich, sondern auch saukalt. Und nass. Aber für ein opulentes Frühstück musste man halt auch mal ein Opfer bringen. Während er also geduldig und wegen der Kälte mit den Füßen stapfend der Dinge harrte, die da kamen, dachte er darüber nach, wie sich die Menschen von der Werbung dazu verleiten ließen, ihr sauer verdientes Geld für Valentinsgeschenke auszugeben. Wie albern. Man konnte seine Gefühle ja wohl auch anders zum Ausdruck bringen und das nicht nur am 14. Februar. Er dachte an die vergangene Nacht…

An der Verkaufstheke angekommen, stellte er fest, dass sich das Angebot des Bäckers heute deutlich erweitert hatte. Neben den üblichen Backwaren wurden Berliner Ballen mit Herzchengarnitur, Marzipanblumen, Schokoladenherzen und allerlei anderer Valentins-Schnickschnack feilgeboten. Und die Kunden neben ihm machten von diesem Angebot regen Gebrauch.

„Was darf es für Sie sein?“, fragte die freundliche Verkäuferin.

„Zwei Brötchen und zwei Croissants bitte…und zwei von diesen Berlinern da, mit den Herzchen drauf.“ Naja, so eine Kleinigkeit zum Valentinstag konnte ja nichts schaden, außerdem mochten die beiden doch so gerne Berliner.

Auf der Heimfahrt ärgerte er sich ein bisschen über sich selbst. Nun war er auch in die Werbefalle getappt, wenn auch nur für zwei Berliner. Andererseits war es ja nur eine nette, kleine Überraschung. ‚Also, was solls?‘, dachte er sich und war gespannt auf Svenjas Reaktion. Die fiel erstaunlicherweise positiver aus, als er erwartet hatte.

„Wie süß!“ freute sie sich, als sie die Berliner entdeckte, die er auf die Frühstücksteller drapiert hatte. „Dass du daran gedacht hast.“

„War ja nicht zu übersehen“, meinte er schmunzelnd, „Der ganze Laden war voll von dem Zeug.“

„Trotzdem! Nette Geste.“, sagte sie und biss genussvoll in den Berliner. „Wir könnten uns ja heute mal ein paar Gedanken über unsere Hochzeit machen“, sagte sie mampfend und wischte sich die Krümel vom Mund. Das war jetzt mal eine echte Überraschung! Klar, er hatte ihr im letzten Herbst einen Antrag gemacht, bei Currywurst und Pommes – anders als geplant – aber bisher hatten sie das Thema noch nicht ernsthaft besprochen. Eigentlich wollte er heute endlich seinen Krimi zu Ende lesen, aber daraus würde wohl nichts werden. Wenn Svenja sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hatte, ließ sie so schnell nicht mehr locker.

So saßen sie dann nach dem Frühstück auf ihrem Sofa. Auf dem Couchtisch lagen Papier, Stifte und der Laptop, eine Kaffeekanne und zwei Tassen standen daneben. Eine generalstabsmäßige Planung stand bevor! Chris hatte auch nichts Anderes erwartet.

„Sollen wir wirklich auf Sylt heiraten?“, begann Svenja die Diskussion und knüpfte damit an jenen Abend an, als er ihr den Antrag gemacht hatte. Er hatte sich damals auf einem ausgiebigen Spaziergang vorgestellt, ihr den Heiratsantrag auf der Nordessinsel zu machen. Dann war der Tag aber, wie so oft, ganz anders verlaufen und nachdem er ihr schon an diesem Abend spontan den Antrag gemacht hatte, hatte sie ihn gefragt, wo sie denn heiraten sollten und er hatte Sylt vorgeschlagen.

„Ich habe mich schon mal ein bisschen aufgeschlaut“, fuhr sie fort, „es gibt da verschiedene Möglichkeiten.“ Warum wunderte es ihn nicht, dass sie sich schon wieder bestens vorbereitet hatte?

„Man kann sich natürlich ganz einfach im Standesamt in Westerland trauen lassen, es gibt aber auch Angebote für sogenannte Ambiente-Hochzeiten im Heimatmuseum Keitum, auf dem Ausflugsschiff „Gret Pallucca“ oder auf dem Leuchtturm in Hörnum.“

Chris dachte nach: in einem Museum zu heiraten konnte er sich nicht so gut vorstellen, dafür fühlte er sich zu jung. Ein Ausflugsschiff ging gar nicht! Als begeisterter Segler würde er sich doch nicht auf so einen Touristendampfer begeben. Never! Aber der Leuchtturm schien interessant. Maritimes Ambiente, eine außergewöhnliche Location, das hörte sich gut an.

„Die Sache mit dem Leuchtturm könnte mir gefallen.“

„Ja, die Sache hat aber einen Haken. Da können nur neun Leute bei der Trauung dabei sein…“ Chris sah da überhaupt keinen Haken. ‚Perfekt‘, dachte er. ‚Das macht die Sache überschaubar…und hält die Kosten in Grenzen!‘

„Ist das denn so schlimm?“, fragte er beiläufig. „Wie viele werden wir denn sein?“ Svenja rechnete nach. Da waren zunächst sie beide, Svenjas Eltern Herbert und Gisela, ihr Bruder Jens und seine Freundin Ljudmila, Oma Hilde natürlich und…tja, und für viele mehr war dann auch schon kein Platz mehr auf dem Turm. Der Standesbeamte wurde zwar nicht mitgezählt, aber ein Fotograf musste her. Sie wollte von ihrem schönsten Tag vernünftige Bilder haben, und zwar von einem Profi. Das waren dann schon acht. Keine wirklich große Gesellschaft. Andererseits, Chris hatte keine Familie und wenn noch Freunde und Bekannte mitfeiern wollten, mussten die ja nicht zwingend auf dem Leuchtturm mit dabei sein. Und wie sie ihren Chris kannte, war ihm dieser kleine Kreis sehr recht. Sie klappte den Laptop auf, googelte „Heiraten auf Sylt“ und begann zu lesen. Chris schielte nach seinem Krimi.

„Anmelden müssen wir die Trauung auf jeden Fall hier beim Standesamt in Dortmund“, brummelte Svenja vor sich hin, „die faxen dann den Wunschtermin nach Sylt.“

„Faxen?“, fragte Chris amüsiert, es gibt doch inzwischen schon diese… wie heißen die nochmal… Emails.“

„Ist ja auch wurscht! Jedenfalls müssen wir erst hier in Dortmund die Formalitäten erledigen. Und wir brauchen einen Termin!“ Sie stand auf und holte einen Kalender aus dem Regal. ‚Frauen haben immer Kalender‘, dachte Chris. Er selbst gab alle Termine in sein Smartphone ein.

„Tja, wann soll´n wir denn?“, fragte sie lächelnd. Plötzlich wurde ihm anders. Jetzt wurde alles mit einem Mal so konkret. Termin, Leuchtturm, Ja-Wort und „peng“ war er ein verheirateter Mann. Komisches Gefühl…Er trank einen Schluck Kaffee und dachte nach.

„Mai wäre nicht schlecht! Da ist das Wetter wieder schön, es ist warm und wir könnten nach der Trauung mit allen an den Strand – Sekt trinken.“

„Und Fotos machen!“ Svenja war begeistert. Und sie steckte ihn mir ihrer Freude an!

„Vor allem sollten wir uns nach einer geeigneten Location für die Feier umsehen“, dachte Chris laut und sah auf seine Uhr. „Was hältst du davon, wenn wir mal hinfahren?“

„Nach Sylt? Wann?“

„Na jetzt! Wenn wir gleich losfahren, können wir am frühen Nachmittag dort sein und uns heute und morgen noch ein paar Restaurants anschauen.“

„Jetzt nach Sylt? Du bist ja verrückt!“

„Warum nicht? Wenn wir schon unsere Hochzeit planen, dann doch am besten direkt vor Ort. Komm, pack ein paar Sachen ein und los geht´s! Eine Unterkunft suchst du von unterwegs online.“

„Na das ist ja jetzt mal eine echte Valentins-Überraschung!“, jauchzte Svenja und verschwand im Schlafzimmer. Chris checkte auf seinem Smartphone die Verkehrslage auf der Autobahn.

Eine halbe Stunde später passierten sie bereits das Kamener Kreuz in Richtung Norden und verließen tatsächlich nach ausnahmsweise staufreier Fahrt gegen sechzehn Uhr den Shuttlezug in Westerland. Es begann bereits zu dämmern, was aber ihrer Freude über diese spontane Aktion keinen Abbruch tat. Dazu kam noch die Vorfreude auf die anstehenden Testessen…

Svenja hatte online ein kleines Hotel in Wenningstedt gebucht, preiswert und für ihre Zwecke völlig ausreichend. Sie wollten ja schließlich die Insel erkunden, da würden sie sich im Hotel nur zum Schlafen aufhalten. Als sie vor ihrem Wochenenddomizil aus dem Auto stiegen, hörten sie als erstes das Rauschen der Nordsee.

„Wahnsinn!“, rief Svenja begeistert, „hör mal…“ Sehen konnten sie das Wasser nicht, eine hohe Düne versperrte die Aussicht, aber man konnte es förmlich spüren. Die Luft roch nach Meerwasser und schmeckte nach Salz. Herrlich! Sie checkten kurz ein, brachten den kleinen Koffer auf das gemütliche Zimmer und fanden sich wenige Minuten später voller Entdeckungsdrang auf der Straße wieder.

„Und jetzt?“, fragte Svenja.

„Erst mal ans Meer!“ Es war zwar bereits dunkel aber den Blick aufs Wasser bauchte er jetzt. Außerdem war Vollmond und das würde reichen, um ein wenig von der traumhaften Natur zu genießen. Auf dem Weg zur Düne kamen sie an „Gosch“ vorbei und beschlossen, dass ein Matjesbrötchen zur Einstimmung jetzt genau richtig wäre und den Blick auf die nächtliche Nordsee noch veredeln würde.

Mit den Fischbrötchen in den Händen betraten sie über eine Holztreppe die Düne und da war sie, die Nordsee, in ihrer ganzen, wilden Schönheit. Zumindest konnte man sich das vorstellen, denn der eisige Winterwind hatte ein paar dicke Wolken vor den Mond geschoben, sodass es schon einiger Phantasie bedurfte, das Meer zu „sehen“. Aber das Rauschen der Brandung und der Geruch nach Seetang und Salz reichten für einen ersten Eindruck aus. Immerhin waren weit draußen die Positionslichter von ein paar Schiffen zu sehen, man konnte also sichergehen, dass die Nordsee noch da war.

„Scheißkalt hier oben“, meinte Svenja kauend und hakte sich bei Chris unter.

„Jo, ich hab auch genug gesehen, lass uns das erste Testessen starten. Was steht auf dem Plan?“

 

 

Lust auf mehr bekommen?

Hier geht´s zum Buch:

Ebook

Taschenbuch